Ausmalbilder - eine tolle Erfahrung!

von Marius Hucker

Wie wir uns die Sorgen von der Seele kritzeln

Ausmalbilder für Erwachsene stürmen die Bestsellerlisten wie keine andere Buchform  momentan. Ein Phänomen dessen Ausmaß selbst die Schreibwarenhersteller und die Einzelhändler überraschte und überrumpelte. Zwischenzeitig war die Rede von ausverkauften Buntmalstiften, Sonderschichten und ausgelasteten Produktionskapazitäten. Doch was steckt hinter dem Trend? Handelt es sich um eine Eintagsfliege oder können sich die Bilder längerfristig etablieren?

Bäume, Blumenranken, Gebäude, Tiere und viele weitere Motive schmücken die Seiten der Ausmalbücher. Wer nichts von dem Trend weiß, geht davon aus, dass es sich um Kinderbücher handele. Optisch verstecken sich die Unterschiede im Detail. Reich verzierte, sehr detaillierte Zeichnungen füllen die Seiten, in denen sich das Auge beim ersten Anblick regelrecht verlieren kann.

Genau in diesem Detailreichtum verbirgt sich auch das Phänomen. Es sind die Kleinigkeiten, auf die wir uns fixieren, die die Uhr anhalten und uns die Zeit vergessen lassen. Wer möchte das nicht in einer Welt die sich immer schneller dreht. In einer Welt, in der wir immer mehr Aufgaben in kürzerer Zeit zu erledigen haben, lassen uns die Ausmalbilder wieder zu Kindern werden. Kinder, denen Stress ein unbekannter Begriff ist. Sie geben uns die Möglichkeit den Alltag zu vergessen und einfach mal abzuschalten (am besten auch den Bildschirm und das Smartphone.)

Wir kritzeln uns somit die Sorgen von der Seele. Und genau in dieser Stressbewältigung liegt auch das Erfolgsrezept vergraben. Das Phänomen ist also psychologischer Natur: Stressgeplagte Menschen suchen nach einem Ausgleich und der Möglichkeit diesen abzubauen. Was früher Meditation, Qi Gong oder Yoga war, ist heute das Ausmalbild.

Wie lange wird dieser Hype halten? Schwer zu sagen. Denn draußen dreht sich die Welt weiter und produziert ständig  neue Trends. Freilich ist es genau dieses Karussell der Neuigkeiten, gegen das sich die Ausmalbilder stemmen: Sie sind eine Art Anti-Trend-Trend.

Deswegen empfehlen wir euch, das Ganze mal auszuprobieren. Vielleicht schafft ja auch ihr es euch den Kummer und die Lasten wegzumalen. Und ganz nebenbei können die Ausmalbilder auch noch verbinden. Und zwar nicht nur über das Netzwerk, wo Künstler ihre Bilder teilen und präsentieren, sondern in eurem näheren Umfeld. Eine Beschäftigung für Jung und Alt, die die Familie zusammenführt. Eltern können sich den Stress von der Seele malen und gleichzeitig noch gemeinsam Zeit mit ihren Kindern verbringen. Also ran an die Stifte! 

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