Die Mischung macht’s

von Kerstin Karres

Warum WhatsAppen & Tweeten unserem Sprachvermögen nicht schadet – solange wir auch noch von Hand schreiben

WhatsApp, Facebook oder Twitter sind pures Gift für die Sprachkompetenz einer ganzen Generation, oder? Führt das am Ende nicht sogar zu einem Rückschritt der ganzen Menschheit? Schließlich ist Sprache doch eine der wichtigsten kulturellen Errungenschaften. Okay, dies kann auf den ersten Blick durchaus so wirken. Aber wenn man sich einen Punkt klar macht, dann kommt man schnell darauf, dass auch und gerade diese neuen Kommunikationsformen eine Bereicherung sind. Zumindest solange sie nicht zu den einzigen Kommunikationsformen werden, welche wir verwenden.

Wie John McWhorter in seinem Ted Talk von 2013 klar macht, handelt es sich bei der so oft schlecht geredeten modernen Kommunikationsform einfach um eine neue Form, eine noch nie da gewesene. Sie kann also nicht mit bereits bestehenden Kommunikationsformen verglichen werden.

WhatsApp, Twitter & Facebook sind für die Jugend von heute nicht mehr wegzudenken. Sie wachsen auf mit dem „Schreiben“ online (Texting) als ein Teil ihres Alltages. Dabei sind die Ansprüche an Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau gering bis nicht existent. Dies könnte den Schein erwecken, dass die Sprache sich also kontinuierlich verschlechtert. Man muss jedoch betrachten, wie die Alternative dazu aussehen würde. Wenn sie nicht schreiben würden, dann würden Sie vielleicht anrufen. Und wenn sie nicht anrufen würden, dann würden Sie vielleicht vorbei schauen. Auf jeden Fall wäre die Alternative nicht ein Brief oder ein anderes schriftliches Dokument sondern ein Gespräch. Für Gespräche galten schon immer andere Regeln. Beim Sprechen verwenden wir keine perfekte Sprache, sondern sie ist geprägt von Unterbrechungen und Halbsätzen und außerdem frei von Rechtschreibfehlern. Nur die Aussprache zählt. Alles was an Texting also auszusetzen ist, ist auch an gesprochener Sprache auszusetzen. Würden wir deswegen also die gesprochene Sprache als minderwertig einstufen? Hat sie nicht trotzdem eine Berechtigung einfach neben der geschriebenen Sprache zu existieren, da sie ein ganz anderes Ziel verfolgt und in anderen Situationen die optimale Alternative ist? Wenn man also Texting einfach in diesem Licht – als die schriftlich gewordene gesprochene Sprache – sieht, wird einem klar warum sie uns bereichert und warum sie auch notwendig ist.

Keiner würde anfechten, dass man von Zwei- oder Mehrsprachigkeit profitiert und dies die mentalen Fähigkeiten enorm verbessert. Forscher haben herausgefunden, dass dies auch der Fall ist, wenn man mehrere Dialekte spricht. Wenn man sich zum Beispiel einen Gesprächsverlauf auf WhatsApp anschaut, merkt man, dass  hier eine vollkommen neue Art der Kommunikation, ein neuer Dialekt, entsteht. Die Kunst besteht darin, zwischen der von Hand geschriebenen Sprache und dem Texting zu wechseln und hierbei von einem Dialekt zu dem anderen zu wechseln. Dazu sind die meisten Menschen in der Lage und ihre mentalen Fähigkeiten verbessern sich hierdurch. Wichtig ist es, dass man nicht ausschließlich im Texting-Dialekt kommuniziert, sondern auch die ursprüngliche geschriebene Sprache von Hand verwendet.

Dein Notizbuch und Dein Smartphone sind stark – aber nur in Kombination.

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